html> Pflanzerleben

PFLANZERLEBEN
und
DIE FARBIGEN

"... Der vierte und fünfte Band (der transatlantischen Reisebilder) führen den Titel "Pflanzerleben" und beschreiben das Wohl und Wehe eines südlichen Pflanzers. Diese Bilder sind ganz besonders von kulturgeschichtlicher Bedeutung.
Das patriarchalische Verhältnis zwischen Herr und Diener auf der idealen Pflanzung wird in reizenden Farben geschildert. Das Thema der Sklaverei ist in einer klaren, bestimmten Weise im vierten Kapitel des fünften Bandes unter dem Titel "Die Negerdebatte" abgehandelt. Die Besprechung wird durch einen jungen Franzosen hervorgerufen, der erst kürzlich von Frankreich angekommen ist und den Kopf voll unpraktischer Ideen über die allgemeine Verbrüderung der grossen menschlichen Familie hat. Die Amerikaner in der Gesellschaft erklären ihre eigene Stellung in der Sache. England, das sich das Monopol des ausländischen Handels in seinen Kolonien gesichert hatte, zwang seine ersten Schiffsladungen afrikanischer Sklaven denselben auf. Als Georgia der menschlichen Ware die Landung verweigerte, (man konnte sie doch nicht in den Hafen werfen, wie den Thee in Boston und Baltimore), wurde Oglethorpe, Georgias Gouverneur; abberufen. In der Originalschrift der "Declaration of Independence" befinden sich einige Stellen, die gegen den abscheulichen Handel mit Negersklaven gerichtet sind, welchen Seine Christliche Majestät, König George, seinen Unterthanen aufgezwungen hätte. Nach 1808 war die Einfuhr afrikanischer Sklaven in die Vereinigten Statten verboten, zu einer Zeit als England scheinbar die Abscheulichkeit des Sklavenhandels, welche es später für gut fand der Welt so laut zu verkündigen, noch nicht empfunden hatte. Die Kolonisten und ihre Nachkommen hatten so die Frage zu lösen, wie aus einem Übel, von dem sie sich nicht befreien konnten, das Beste zu machen sei. Die Debatte in Sealsfields Roman wird durch die Erzählung des Grafen Vignerolles, eines französischen Edelmannes, der seine eigene Erfahrungen mit Negersklaven zum Besten giebt, geschlossen. Er kam als heftiger Abolitionist nach Louisiana und nachdem er eine Pflanzung gekauft hatte, nahm er sich fest vor, nur weisse Arbeiter zu beschäftigen. Durch seine langsamen Fortschritte wurde er jedoch in einigen Jahren vollständig entmutigt und er sah ein, dass es unmöglich wäre, in Louisiana ohne Hilfe der Neger vorwärts zu kommen. Nichtsdestoweniger war er fest entschlossen, die brutale Einrichtung der Sklaverei nicht zu unterstützen. Bei einem gelegentlichen Besuche in New-Orleans wurde er aber von einem traurigen Schauspiel bei Ankunft eines Sklavenschiffes angezogen. Ein Teil der menschlichen Ladung war ans Land gebracht worden, wovon er folgende Beschreibung liefert: "Wir bemerkten einige alte Neger, die eifrig beschäftigt waren, die Körper der Ankömmlinge vom Schmutze zu reinigen; diese, sobald sie abgekratzt waren, gesellten sich eiligst einer Gruppe zu, welche um einige eifrig bearbeitete Kesselpauken herumtanzte, einen grässlichen Spektakel machend. Wir hatten uns mittlerweilen dem Schiff genähert und der Kapitän forderte uns auf, näher zu treten, um unsere Auswahl zu treffen. Als ich meinem Unwillen Ausdruck gab, machten mich meine Freunde aufmerksam, dass ich meine Humanität am besten beweisen könne, indem ich einige der Unglücklichen kaufe, durch milde und gerechte Behandlung derselben ein gutes Beispiel gebe und die armen, vertierten Menschen zu einem besseren Leben erziehe.
Als ich dem Kapitän Vorwürfe machte, erklärte er, dass er die ganze Ladung in Afrika gerettet habe; es seien zum Tode verdammte Kriegsgefangene gewesen. Ich bemerkte eine geladene Kanone, die nach einer Umzäunung gerichtet war, welche, wie wir hörten, fünfundzwanzig Schwarze umschloss. Noch ein Tag in diesem Schmutzloch zu verweilen, bedeutete sicheren Tod für sie, und der Kapitän war unfähig, irgend etwas zu thun, weil er durch das Wetter genötigt war, sofort wieder zur See zu gehen. "Für 2500 Piaster," sagte der Kapitän, "können Sie alle haben und wenn Sie nur ein Fünftel davon am Leben erhalten, machen Sie einen schönen Profit." "Hier ist das Geld" antwortete ich, um Gottes und der Menschlichkeit Willen. "Ich nahm die schmutzige Gesellschaft mit nach Hause, aber alle bis auf ein Dutzend starben kurz darauf. Sie waren die hässlichsten Geschöpfe, die mir je vor Augen kamen und hatten kaum die Gestalt von Menschen, auch war keinerlei menschliches Gefühl, nicht einmal ein Instinkt bei ihnen bemerklich. Es war keinerlei Erziehung möglich, ehe ich andere Sklaven gekauft, und mit den meinigen vermischt hatte. Ich fand nun selbst aus, dass es keine leicht Aufgabe war, afrikanische Eingeborene zu nützlichen amerikanischen Sklaven zu machen und meine radikalen Ansichten über die gleichen Rechte aller Menschen litten Schiffbruch."
Sealsfield war einer der wenigen Schriftsteller, die den Mut besassen, die Frage der Negersklaverei in Amerika, von dem Standpunkt eines nahen und scharfen Beobachters, gegenüber den idealen Anschauungen, welche damals in Europa vorherrschend waren, unparteiisch zu besprechen. Obgleich er häufig die Hoffnung auf endliche Aufhebung der Sklaverei aussprach und zu zeigen versuchte, dass diejenigen Staaten der Union, welche Schritte zur Befreiung ihrer Sklaven gethan hatten, den grössten Erfolg erzielten, so hielt er doch an dem Glauben fest, eine allgemeine und plötzliche Änderung sei ebensowenig für die Schwarzen als für deren Besitzer wohlthuend.
Der fünfte Band der Bilder aus dem Leben des amerikanischen Volkes, bringt uns wieder zu Monsieur Menous Haus, wo eine Anzahl hervorragender Gäste versammelt ist. Graf Vignerolles fährt auf allgemeines Verlangen in der Erzählung seiner Lebensgeschichte als Pionier von Louisiana fort, in welcher er jetzt in nahe Beziehungen zu Nathan Strong, dem Squatter-Regulator in Louisiana tritt, dem er den grössten Teil seines Erfolges verdankt. Diese Geschichte umfasst den sechsten Band und enthält die berühmte Erzählung "Das Prairiefeuer und der Cypressensumpf" und diejenige Nathan Strongs von dem blutigen Blockhaus, welche ihrer aufregenden Ereignisse und lebendiger Darstellung wegen irgend einem ähnlichen Werke Coopers zur Seite gestellt werden können. Der Squatter-Regulator ist einer der eigenartigsten und gelungensten Charaktere die Sealsfield geschaffen hat und reizte andere Schriftsteller mehrfach zur Nachahmung.
..."

Albert B. Faust:
Charles Sealsfield (Carl Postl) Der Dichter beider Hemisphären. Sein Leben und seine Werke.- Weimar: Verlag von Emil Felber. 1897.